Zypern und die Bankenkrise

Wie kam es zur Bankenkrise auf Zypern?
Die Vorgeschichte beginnt im Mai 2010. Zu dieser Zeit wurden die enormen Defizite der griechischen Wirtschaft und der drohende Staatsbankrott deutlich. Das war für die Banken des Inselstaates besonders verhängnisvoll, weil sie massiv mit griechischen Staatsanleihen spekuliert hatten und dadurch nun in finanzielle Bedrängnis gerieten.

Die Folgen aus dem Fall Zypern
Zur Abwendung eines Staatsbankrotts beschloss die zyprische Regierung im März 2013 in Absprache mit den Geldgebern EU und IWF, dass Guthaben in Höhe von mehr als 100.000 Euro, die bei der Bank of Cyprus angelegt wurden, zur Kapitalisierung der Bank herangezogen werden. Das bedeutete, dass 37,5 Prozent der angelegten Guthaben über 100.000 Euro in Aktien der Bank umgewandelt werden sollen, um einen Bankrott zu vermeiden. Im Juli 2013 wurde dann bekannt, dass die Quote auf 47,5 Prozent erhöht wird.

Zunächst zielte der Regierungsplan auf ein Heranziehen aller Guthaben auf zyprischen Bankkonten, was zu massenhaften Demonstrationen führte. Daraufhin zog die Regierung diesen Plan zurück und fokussierte sich auf Sparguthaben über 100.000 Euro. De facto verlieren Anleger damit 47,5 Prozent ihres Vermögens. Auch Forex Trader haben um Ihr Geld gebangt, da viele Forex und Binary Options Broker Ihren Sitz auf Zypern haben.

Bewertung des Falles
Das Heranziehen des Vermögens von Banksparern durch Beschluss der Regierung war ein absolutes Novum in der Finanzkrise. Dabei muss betont werden, dass die Entscheidung nicht komplett willkürlich war, weil es sowohl im zyprischen Parlament als auch im EU-Parlament einen Mehrheitsbeschluss dafür gab.

Dennoch ist dieser Schritt bedenklich, weil das Eigentum von Bürgern zur Haftung für einen von ihnen nicht verschuldeten Fall herangezogen wird und die finanziellen Verluste dabei beträchtlich sind, denn immerhin geht es um fast die Hälfte des Vermögens. In der Tradition europäischen politischen Denkens, vor allem dem Liberalismus des späten 17. Jahrhunderts – hier ist besonders John Locke hervorzuheben – wurde das Eigentum als schützenswertes individuelles Recht betont. Diese Tradition wurde auf Zypern gebrochen.